Der López-Effekt: Kostensenkung mit Folgen
Auch: Lopez-Effekt, PICOS
Der López-Effekt bezeichnet die Kostensenkungen, die José Ignacio López de Arriortúa in den 1990er Jahren bei Zulieferern von General Motors durchsetzte. Zunächst anerkennend gemeint, steht der Begriff heute vor allem für Qualitätsprobleme durch Sparmaßnahmen.
Was López tat
López führte bei General Motors das Programm PICOS ein (Program for the Improvement and Cost Optimization of Suppliers). Man bot den Zulieferern Unterstützung an und analysierte gemeinsam ihre Produktion. Das hatte zwei Folgen: Die Produktion wurde effizienter. Und General Motors kannte nun Kosten und Margen der Zulieferer und konnte die Einkaufspreise immer weiter drücken.
Vom Lob zur Warnung
Anfangs sprach man anerkennend vom López-Effekt, wenn Effizienz und harte Verhandlungen Kosten sparten. Bald stand der Begriff für Qualitätsverluste. Opel und später Volkswagen, wohin López wechselte, hatten mit Qualitätsproblemen und teuren Rückrufen zu kämpfen.
Was Sie für Verhandlungen daraus lernen
Wie der Fall zu bewerten ist, hängt von der Perspektive ab. Ging es López um kurzfristige Kostensenkung, war sein Vorgehen wirksam. Ging es um zufriedene Kunden und Beschäftigte, schadete es diesen Interessen.
Für Zulieferer ist die Lehre klarer: Wer interne Kosten und Abläufe offenlegt, gibt hochsensible, verhandlungsrelevante Informationen preis. Das ist keine Warnung vor Wertschöpfung, sondern vor fahrlässiger Preisgabe von Informationen. → Verhandlungsdilemma
Win-Win als Vorwand?
Kritiker wie Jim Camp nutzen den Fall, um vor „Win-Win“ zu warnen: Eine Seite gibt vor, Wert schaffen zu wollen, und räumt dann bei der Verteilung ab. Professionell verhandeln heißt, beide Hände zu nutzen: Wert schaffen und Wert sichern. → Ambidextrie
Häufige Fragen
Was ist der López-Effekt?
Kostensenkungen bei Zulieferern, die José Ignacio López de Arriortúa in den 1990er Jahren bei General Motors durchsetzte. Heute steht der Begriff vor allem für Qualitätsprobleme durch Sparmaßnahmen.
Was war PICOS?
Das „Program for the Improvement and Cost Optimization of Suppliers“, mit dem General Motors die Produktion seiner Zulieferer analysierte und deren Kosten kennenlernte.
Was lernen Zulieferer aus dem López-Effekt?
Interne Kosten und Margen sind verhandlungsrelevante Informationen. Wer sie offenlegt, schwächt sich bei der Wertverteilung.
Quellen: Camp, J. (2002): Start with No. New York. · Kinkel, S./Zanker, C. (2007): Globale Produktionsstrategien in der Automobilzuliefererindustrie. Berlin. · Bratzel, S./Retterath, G./Hauke, N. (2015): Automobilzulieferer in Bewegung. Baden-Baden.
Ausführlich im Blog: Verhandeln im Opel
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