Zielsetzung in Verhandlungen: ambitioniert statt „realistisch“
Auch: Zielpreis, Aspirationspunkt, Most Desired Outcome (MDO)
Ihr Ziel bestimmt Ihr erstes Angebot und damit den Rahmen der Verhandlung. Setzen Sie es ambitioniert, nicht „realistisch“. SMART eignet sich, um Ziele zu prüfen, nicht, um sie zu finden. Ein Minimalziel brauchen Sie nicht, die Untergrenze legt Ihre BATNA fest.
Je höher das Ziel, desto besser das Ergebnis
Zwischen Zielhöhe und Ergebnis besteht ein Spannungsverhältnis. Je höher das Ziel, desto besser das Ergebnis. Je höher das Ziel, desto größer aber auch das Risiko des Scheiterns. Herbert von Karajan brachte es auf den Punkt: „Wer all seine Ziele erreicht, hat sie wahrscheinlich zu niedrig gewählt.“
Warum SMART nicht reicht
SMART steht für spezifisch, messbar, ansprechend, realistisch und terminiert. Die Kriterien helfen, ein gesetztes Ziel zu prüfen. Eine Methode, gute Ziele zu finden, sind sie nicht. SMARTe Ziele müssen nicht klug sein.
Ein Beispiel: Ein Einkaufsleiter gibt vor, das durchschnittliche Zahlungsziel von 18 auf 34,94 Tage zu verlängern. Das Ziel erfüllt alle SMART-Kriterien. Für kleine Zulieferer kann es aber ein massives Zugeständnis sein, während der Konzern kaum etwas gewinnt. Solche Vorgaben vernichten Wertschöpfungspotenziale.
Ziel und Methode trennen
Trennen Sie die Frage „Was wollen wir erreichen?“ von der Frage „Wie erreichen wir es?“. Das klingt banal, wird in der Praxis aber oft vermischt. Nehmen Sie in Ihre Ziele alles auf, was Ihren Interessen dient, auch vermeintlich weiche Interessen wie die Beziehung zu einem langjährigen Partner.
Für große Ziele steht der Begriff Big Hairy Audacious Goals (BHAG), also große, kühne Ziele, aus dem Buch „Built to Last“ von Collins und Porras. Sie öffnen den Raum für eine umfassende Definition Ihrer Ziele.
Kein Minimalziel
Position nachnordosten: Viele Ratgeber empfehlen ein Minimal- und ein Maximalziel. Das ist irreführend. Das gerade noch akzeptable Ergebnis bestimmt Ihre BATNA. Ein zusätzliches Minimalziel ist überflüssig und wirkt in der Verhandlung als Anker nach unten.
Setzen Sie Ziele skeptisch und setzen Sie sie selbstbewusst um. Schreiben Sie sie auf. Hilfreich ist das mentale Kontrastieren nach Gabriele Oettingen: Wunsch und Hindernis gemeinsam betrachten, statt nur positiv zu denken.
Häufige Fragen
Wie setze ich ein Ziel für eine Verhandlung?
Klären Sie zuerst Ihre Interessen. Setzen Sie dann ein ambitioniertes Ziel, das Sie begründen können. Daraus ergibt sich Ihr erstes Angebot.
Sind SMART-Ziele für Verhandlungen geeignet?
Zum Prüfen ja, zum Finden nein. Vor allem das Kriterium „realistisch“ führt in Verhandlungen oft zu niedrigen Zielen.
Brauche ich ein Minimalziel?
Nein. Die Untergrenze legt Ihre BATNA fest. Ein zusätzliches Minimalziel wirkt als Anker nach unten.
Quellen: Hoeppel, A. (2018): Skeptische Zielsetzung und selbstbewusste Umsetzung. In: Wermke, C. (Hg.): Exzellente Kommunikation im Wirtschaftsleben, S. 70–78. · Doran, G. T. (1981): There’s a S.M.A.R.T. Way to Write Management’s Goals and Objectives. Management Review 70(11). · Collins, J./Porras, J. (2002): Built to Last. New York. · Oettingen, G. (2017): Die Psychologie des Gelingens. München.
Ausführlich im Blog: SMART kann dumm sein
Verwandte Begriffe
Weitere Begriffe im Detail
Verhandlungsarten
Man unterscheidet zwei Grundformen.
LesenBegriffVerhandlungsstile
Idealtypisch unterscheidet man einen harten und einen weichen Verhandlungsstil.
LesenBegriffHart in der Sache, weich zur Person
Der Grundsatz heißt: Bleiben Sie bei Ihren Interessen standhaft und gehen Sie mit der Person respektvoll um.
LesenBegriffe kennen ist der Anfang.
In Modul I verhandeln Sie selbst und erhalten eine objektive Rückmeldung zu Ihrem Ergebnis.
Modul I ansehen
nachnordosten GmbH · München · info@nachnordosten.de