Bücher zum Verhandeln: unsere Empfehlungen
23 Bücher, die wir in Training und Beratung empfehlen. Jedes mit Kurzbesprechung, Zielgruppe und Verweisen ins Lexikon. Sortiert nach Themen; ein Buch kann in mehreren stehen.
- The Manager as Negotiator Lax/Sebenius
- Kompromisslos verhandeln Voss/Raz
- 3-D Negotiation Lax/Sebenius
- Split the Pie Nalebuff
- Entrepreneurial Negotiation Dinnar/Susskind
Drei Kriterien, je bis zu fünf Kompasse:
- Praxisnutzen: Was können Sie in Ihrer nächsten Verhandlung anwenden?
- Lesbarkeit: Wie zugänglich ist das Buch geschrieben?
- Originalität: Was bietet es, das andere Bücher nicht bieten?
Alle 23 Bücher

The Manager as Negotiator
David A. Lax/James K. Sebenius, The Manager as Negotiator. Bargaining for Cooperation and Competitive Gain, New York: Free Press 1986.
Lax und Sebenius zeigen, dass Verhandeln eine Kernkompetenz des Managements ist. Sie waren die Ersten, die das Dilemma zwischen Wertschöpfung und Wertverteilung systematisch dargestellt haben. Wer professionell verhandeln will, braucht Werkzeuge für beide Seiten: um Wert zu schaffen und um ihn zu verteilen.
Für wen: Führungskräfte und alle, die das Fundament der Verhandlungslehre kennen wollen. Englisch, eher akademisch geschrieben.

Kompromisslos verhandeln
Chris Voss/Tahl Raz, Kompromisslos verhandeln. Die Strategien und Methoden des Verhandlungsführers des FBI, München: Redline 2020 (Original: Never Split the Difference, 2016).
Chris Voss verhandelte bis 2007 für das FBI (Federal Bureau of Investigation), in mehr als 150 Krisen- und Geiselverhandlungen. Das Buch ist gut geschrieben. Es stellt bewährte Taktiken der modernen Krisenverhandlung knapp dar und ergänzt sie um die eigene Praxis von Voss. Besonders gelungen sind die Kapitel zum Beziehungsaufbau und zum Umgang mit emotionalen Gesprächspartnern. Voss grenzt sich vom Harvard-Konzept ab, stellt sein Vorgehen aber nicht als grundsätzlich überlegen dar.
Für wen: Alle, die schwierige Gespräche führen und Techniken wie Spiegeln oder Labeling kennenlernen wollen.

3-D Negotiation
David A. Lax/James K. Sebenius, 3-D Negotiation. Powerful Tools to Change the Game in Your Most Important Deals, Boston: Harvard Business School Press 2006.
Lax und Sebenius unterscheiden drei Dimensionen des Verhandelns: das Verhalten am Tisch, das Deal Design und alles, was abseits des Tischs geschieht. Viele Ansätze beschränkten sich bis dahin auf die ersten beiden. Gute Deals entstehen, wenn Wertschöpfung gelingt. Die Devise lautet „Move Northeast“ (S. 119): in den Quadranten oben rechts, mit mehr Wert für Sie und mehr Wert für die Gegenseite. Das Buch hat auch den Namen der nachnordosten GmbH inspiriert.
Für wen: Wer große Verhandlungen mit mehreren Beteiligten vorbereitet: Parteien, Reihenfolge, Alternativen.

Split the Pie
Barry Nalebuff, Split the Pie. A Radical New Way to Negotiate, New York: HarperCollins 2022.
Wie groß ist der Kuchen in einer Verhandlung, und nach welchem Prinzip wird er verteilt? Nalebuff, Spieltheoretiker an der Yale School of Management, antwortet: Verteilt wird der Wert, den erst die Einigung schafft, und zwar zu gleichen Teilen. Er stützt sich dabei auch auf seine Erfahrung aus der Verhandlung mit Coca-Cola über den Verkauf des Unternehmens, das er mitgegründet hat. Wir sehen den Ansatz als Werkzeug und starken Frame, nicht als allgemeingültiges Prinzip.
Für wen: Wer in Verteilungsfragen mit Fairness argumentieren will, vor allem als kleinere Partei.

Entrepreneurial Negotiation
Samuel Dinnar/Lawrence Susskind, Entrepreneurial Negotiation. Understanding and Managing the Relationships that Determine Your Entrepreneurial Success, Cham: Palgrave Macmillan 2019.
Was Lax und Sebenius für Manager herausgearbeitet haben, zeigen Dinnar und Susskind für Gründer: Ein Unternehmer ist immer auch Verhandler. Verhandelt wird mit Mitgründern, ersten Angestellten, Investoren, Kunden und Banken. Die Autoren zeigen die Herausforderungen von der Idee bis zum Exit an realen Fällen; auf der Website zum Buch sind Videos der befragten Gründer abrufbar. Sie verbinden die Fälle mit aktueller Forschung und leiten konkrete Empfehlungen ab.
Für wen: Gründerinnen und Gründer sowie alle, die Start-ups beraten oder in sie investieren.
Deals
Michael Klausner/Guhan Subramanian, Deals. The Economic Structure of Business Transactions, Cambridge, MA: Harvard University Press 2024.
Dieses Buch handelt nicht von Grundtechniken oder psychologischen Effekten, sondern von Vertragsgestaltung. Klausner und Subramanian zeigen, wie Anreize wirken, wie sich Risiken absichern lassen und wie Klauseln aussehen, die keine Seite einseitig manipulieren kann. Ein Schwerpunkt sind Unternehmensverkäufe.
Für wen: Wer schon viele Verhandlungsbücher gelesen hat und sein Deal Design verbessern will, etwa bei Earn-outs oder Preisanpassungsklauseln.
Ganze Besprechung lesen
Tom Brady gilt als GOAT, als „Greatest of All Time“. Zu seinen Glanztaten gehört auch, dass er mit einem Wurf 250.000 $ verschenkte. Der Ball war nicht mit Geld gefüllt, und es war auch kein Schmerzensgeld für einen Wurf auf Unbeteiligte. Brady tat lediglich seinem Mitspieler Antonio Brown einen Gefallen. Browns Vertrag mit den Tampa Bay Buccaneers enthielt eine Klausel, die ihm 250.000 $ zusicherte, wenn er 45 Pässe fängt. Davon war Brown eigentlich zu weit entfernt. Im Spiel gegen die Atlanta Falcons lagen die Buccaneers weit vorne. Also nutzte Brady die Zeit, um ein paar Pässe zu Brown zu werfen.
Das Beispiel stammt aus dem Buch „Deals“ von Michael Klausner und Guhan Subramanian. Gerade wer schon viele Verhandlungsbücher gelesen hat, sollte es lesen. Denn es geht nicht um die immer wieder aufbereiteten Grundtechniken oder psychologischen Effekte, sondern um konkrete Vertragsgestaltung. Der Pass für 250.000 $ ist ein Beispiel für dysfunktionale Anreize: Eine gut gemeinte Klausel erweist sich als wenig nützlich, zumindest für die Buccaneers.
Noch schlimmer wird es, wenn beim Deal Design die Risiken nicht richtig abgesichert sind. Das gilt vor allem für spezifische Investitionen (Asset Specificity). Weniger akademisch ausgedrückt: Wenn Sie ein Ölvorkommen haben, überlegen Sie gut, wann Sie in die Förderung investieren und wann Sie mit einem Pipeline-Betreiber verhandeln (S. 89). Weiß der Pipeline-Betreiber, dass ein wirtschaftlicher Transport nur über seine Pipeline möglich ist, endet die Verhandlung nicht gut für den Ölförderer.
Auch wer keine Ölfelder besitzt, findet Hinweise zur Vertragsgestaltung, vor allem für Unternehmensverkäufe. Neben der Risikominderung geht es immer darum, Vereinbarungen zu treffen, die keine Seite einseitig manipulieren kann. Wer beim Unternehmensverkauf Earn-outs (Kaufpreisteile, die vom späteren Erfolg abhängen) oder Contingent Value Rights (CVR, bedingte Zahlungsansprüche) verhandelt, sollte einen Blick ins Buch werfen. Auch die Absicherung gegen Marktentwicklungen durch Preisanpassungsklauseln ist Thema. Das Buch ist nichts für Leser, die psychologische Tricks oder einzelne Techniken suchen. Es ist für alle, die ihr Deal Design verbessern wollen.
Dr. Alexander Hoeppel
Strategic Negotiations for Sustainable Value
Stefanos Mouzas, Strategic Negotiations for Sustainable Value. A Guide to Lasting Business Deals, London/New York: Routledge 2022.
Mouzas betrachtet Verhandlungen aus der Netzwerk-Perspektive. Zwei Parteien verhandeln nie im Vakuum, sondern abhängig von vielen weiteren Akteuren. Mit „Network Pictures“ und der Realoptionenanalyse aus der Investitionstheorie lassen sich Handlungsalternativen breiter bewerten. Konkrete Techniken bietet das Buch, abgesehen von einem Exkurs zur Vertragsgestaltung, wenige.
Für wen: Geschäftsführung und Management, die strategische Verhandlungen führen.
Coopetition
Adam Brandenburger/Barry Nalebuff, Coopetition. Kooperativ konkurrieren. Mit der Spieltheorie zum Geschäftserfolg, Eschborn: Christian Rieck 2008 (Original: Co-opetition, 1996).
Brandenburger und Nalebuff zeigen, welche strategischen Chancen kooperative Konkurrenz bietet. Dem Verhandler geben sie dafür ein Werkzeug an die Hand: das Wertenetz eines Unternehmens. Neben Kunden, Konkurrenten und Lieferanten bieten Komplementoren in einer vernetzten Wirtschaft zusätzliche Möglichkeiten der Wertschöpfung.
Für wen: Geschäftsführung und Strategie: kein Verhandlungsbuch im engeren Sinn, aber Hebel jenseits des Verhandlungstischs.
Verhandlungsflow
Florian Weh, Verhandlungsflow. Wie Sie anspruchsvolle Verhandlungen mit Leichtigkeit führen, 1. Auflage, Frankfurt am Main: Campus 2020.
Florian Weh leitete das Verhandlungsmanagement der Lufthansa und war Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands MOVE (AGV MOVE, Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband der Mobilitäts- und Verkehrsdienstleister). Sein Buch gibt Hinweise für die Vorbereitung und Durchführung komplexer, politisierter Verhandlungen.
Für wen: Wer Verhandlungen mit vielen Beteiligten und unter öffentlichem oder politischem Druck führt.
Negotiate Without Fear
Victoria Medvec, Negotiate Without Fear. Strategies and Tools to Maximize Your Outcomes, Hoboken, NJ: Wiley 2021.
Medvecs Buch ist eine gute Wahl für alle, die komplexere B2B-Deals (Business-to-Business) verhandeln. Es enthält nützliche Hinweise zur Gestaltung des Verhandlungsprozesses und die ausführlichste Darstellung der von Medvec entwickelten MESO-Technik (Multiple Equivalent Simultaneous Offers). Dabei legen Sie mehrere gleichwertige Pakete gleichzeitig vor. An der Wahl der Gegenseite erkennen Sie deren Prioritäten.
Für wen: Wer B2B-Verhandlungen mit mehreren Verhandlungsgegenständen vorbereitet und den Prozess steuern will.
Negotiation Genius
Deepak Malhotra/Max H. Bazerman, Negotiation Genius. How to Overcome Obstacles and Achieve Brilliant Results at the Bargaining Table and Beyond, New York: Bantam 2007.
Negotiation Genius zeigt, wie der abstrakte Begriff Win-Win mit Leben gefüllt wird und wie durch gutes Deal Design konkret mehr Wert entsteht. Die Autoren gehen auch auf die wichtigsten psychologischen Faktoren und Taktiken ein. Praktische Tipps und wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse machen das Buch zu einer guten Wahl für Einsteiger und Profis.
Für wen: Einsteiger und erfahrene Verhandler, die Wertschöpfung und Psychologie in einem Buch suchen.
Built to Win
Hallam Movius/Lawrence Susskind, Built to Win. Creating a World-Class Negotiating Organization, Boston: Harvard Business Press 2009.
Wie lässt sich professionelles Verhandeln als Teil der Organisationsentwicklung nachhaltig in einem Unternehmen verankern? Auf diese Frage geben Movius und Susskind überzeugende Antworten für die Praxis. Das Buch ist vor allem für Verhandlungstrainer und Führungskräfte nützlich, die professionelles Verhandeln als Bestandteil eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses im Unternehmen etablieren wollen.
Für wen: Führungskräfte, die Verhandeln im Unternehmen als Fähigkeit der Organisation aufbauen wollen, nicht nur einzelner Personen.
Die perfekte Preisverhandlung
Tim Taxis, Die perfekte Preisverhandlung. So machen Sie Schluss mit unnötigen Rabatten und setzen höhere Preise durch, 2. Auflage, Tim Taxis Trainings 2019 (Erstausgabe 2016).
Ein guter Einstieg in die Preisverhandlung und ein erster Leitfaden. Er passt besonders für Vertriebsmitarbeitende, die viele ähnliche Verhandlungen führen oder im Commodity-Bereich arbeiten, also mit austauschbaren Standardprodukten.
Für wen: Vertrieb mit vielen, ähnlichen Preisgesprächen.
Das Ende von Win-win
Matthias Schranner, Das Ende von Win-win. Verhandeln in Zeiten der Kompromisslosigkeit. Von der wertegeleiteten zur interessensgeleiteten Verhandlungsführung, Berlin: Econ 2026.
Schranner, ehemaliger Polizeiverhandler, beschreibt das Nullsummenspiel als neue Realität harter Verhandlungen. Sein Eröffnungsfall, eine Pharma-Verhandlung mit der US-Regierung, endet allerdings mit einem Paketdeal über mehrere Themen, also mit Wertschöpfung. Das Handwerk ist besser als seine Begründung. Gelungen ist die Analyse des Nahostkonflikts, etwa der kalkulierten Mehrdeutigkeit in Resolution 242. Wir besprechen das Buch zusammen mit Rainer Zitelmanns Zero Sum Mindset (München: Deutscher Wirtschaftsbuch Verlag 2026).
Für wen: Wer mit kompromisslosen Gegenübern verhandelt und die Struktur einer Verhandlung vom Verhalten der Beteiligten unterscheiden will.
The Challenger Sale
Matthew Dixon/Brent Adamson, The Challenger Sale. Kunden herausfordern und erfolgreich überzeugen, München: Redline 2019 (Original 2011).
Das Buch befasst sich mit den Anforderungen des modernen B2B-Vertriebs. Für das professionelle Verhandeln steckt es voller nützlicher Hinweise, weil Dixon und Adamson die Entscheidungsstrukturen in Unternehmen analysieren. Damit identifizieren sie jene Wirkfaktoren, die abseits des Verhandlungstisches die Entscheidungen und das Verhalten der Verhandler beeinflussen.
Für wen: Vertrieb in Unternehmen mit vielen Beteiligten auf Kundenseite.
Deal!
Jack Nasher, Deal! Du gibst mir, was ich will, Frankfurt am Main: Campus 2013; Taschenbuch München: Goldmann 2015.
Jack Nasher gehört zu den wenigen deutschsprachigen Autoren, die wissenschaftlich fundiert und zugleich unterhaltsam über das Verhandeln schreiben. Deal! ist ein guter Einstieg für alle, die sich vor allem mit den psychologischen Faktoren des Verhandelns befassen wollen.
Für wen: Einsteiger, die psychologische Effekte verstehen und im Alltag erkennen wollen.
Supercommunicators
Charles Duhigg, Supercommunicators. How to Unlock the Secret Language of Connection, New York: Random House 2024 (deutsche Ausgabe: Berlin Verlag).
Supercommunicators ist erst auf den zweiten Blick ein Verhandlungsbuch. Duhigg fragt, was Menschen zu herausragenden Kommunikatoren macht, und stützt sich dabei auf Forschung statt auf Anekdoten. Drei Fragen leiten: Worum geht es wirklich? Wie fühlen wir uns? Wer sind wir? Nützlich ist vor allem, wie aus oberflächlichen Fragen „tiefe“ Fragen werden. Sein Fazit: „Every conversation is a negotiation.“
Für wen: Wer merkt, dass Sachargumente nicht ankommen, weil es eigentlich um Gefühle geht.
Priceless
William Poundstone, Priceless. The Myth of Fair Value (and How to Take Advantage of It), New York: Hill and Wang 2010.
Vom fairen oder angemessenen Preis wird häufig gesprochen. Dabei lassen sich Menschen bei der Bewertung von Waren und Dienstleistungen von vielen Faktoren beeinflussen, die keine Rolle spielen sollten. Poundstone zeigt anhand psychologischer Experimente, wie stark Anker und die Darstellung von Zahlen die Preiswahrnehmung prägen.
Für wen: Wer Preise setzt oder verhandelt und verstehen will, warum Zahlen so unterschiedlich wirken.
Advanced Introduction to Negotiation
Leigh Thompson/Cynthia S. Wang, Advanced Introduction to Negotiation, Cheltenham: Edward Elgar 2022.
Eine kompakte Einführung in die zentralen Theorien und Konzepte der Verhandlungsforschung. Thompson und Wang zeigen, wie Psychologie, Ökonomie und weitere Disziplinen das Fach über Jahrzehnte geprägt haben. Rund 170 Seiten, englisch.
Für wen: Wer einen wissenschaftlichen Überblick sucht, im Studium oder zur Vertiefung nach einem Training.
Negotiation. A Very Short Introduction
Carrie Menkel-Meadow, Negotiation. A Very Short Introduction, Oxford: Oxford University Press 2022.
Menkel-Meadow führt in die Theorien des Verhandelns ein: von Annahmen über Knappheit und Wettbewerb bis zur Verbindung der Bedürfnisse beider Seiten. Sie behandelt Verhandlungen mit vielen Parteien und Themen sowie kulturelle Unterschiede. Kurz, im Format der Reihe „Very Short Introductions“.
Für wen: Wer in kurzer Zeit einen fundierten Überblick sucht. Englisch.
Mediation und Verhandlungsführung
Siegfried Rosner/Andreas Winheller, Mediation und Verhandlungsführung. Theorie und Praxis des wertschöpfenden Verhandelns, 2. Auflage, Baden-Baden: Rainer Hampp 2022.
Der Titel legt den Fokus auf das Verhandeln in der Mediation, bietet aber eine ausführliche Darstellung des Win-Win-Ansatzes. Nach den Entwicklungslinien der Verhandlungslehre und den wichtigsten Grundbegriffen stellen die Autoren den Leser vor eine Galileo-Entscheidung (S. 139): Angesichts des eindeutigen wissenschaftlichen Befunds ergibt es wenig Sinn, an der praktischen Relevanz und der höheren Ergebnisqualität kooperativer Konfliktaustragung zu zweifeln. Wer dem folgt, erhält Werkzeuge für wertschöpfende Vereinbarungen.
Für wen: Wer den Win-Win-Ansatz gründlich und auf Deutsch durcharbeiten will.
Research Handbook on Gender and Negotiation
Mara Olekalns/Jessica A. Kennedy (Hg.), Research Handbook on Gender and Negotiation, Cheltenham: Edward Elgar 2020.
Ein Sammelband zum Stand der Forschung, wie das Geschlecht Verhandlungen beeinflusst. Die Studien zeigen strukturelle Benachteiligungen und Unterschiede im Verhalten, zum Beispiel initiieren Frauen seltener Verhandlungen. Viele Effekte lassen sich abschwächen, etwa wenn man für jemand anderen verhandelt.
Für wen: Wer Mutmaßungen und Marketing-Versprechen durch Forschung ersetzen will.
Über Kriege und wie man sie beendet
Jörn Leonhard, Über Kriege und wie man sie beendet. Zehn Thesen, München: C.H.Beck 2023 (208 Seiten).
Der Historiker Jörn Leonhard fragt, was in der Geschichte half, Kriege zu beenden und Frieden dauerhaft zu sichern. Eine Blaupause für heutige Konflikte liefert er nicht. Wer aber verstehen will, wie Friedenssignale, „reife“ Situationen, Sanktionen und der Umgang mit dem Unterlegenen wirken, findet hier Material.
Für wen: Wer Konflikte mit hohem Einsatz analysiert und dabei über psychologische Erklärungen hinausdenken will.
Ganze Besprechung lesen
Wie schafft man Frieden? Bei dieser Frage strotzen einige Kollegen vor Selbstsicherheit. Ausgehend von salbungsvollen Zitaten („Alle Kriege enden mit Verhandlungen. Warum also nicht gleich verhandeln?“) analysieren sie die Verhandlungstaktik einzelner Akteure. Als Wirkfaktoren nennen sie dann gern das Augenscheinliche: Der eine sei durchsetzungsstark, der andere machtvoll, während Dritte zauderten.
Das Schöne an solchen kalenderspruchartigen „Analysen“: Sie stimmen immer irgendwie, völlig unabhängig von der Situation, die „analysiert“ wird. Zitate und ewiggültige Kalenderweisheiten sind ein Social-Media-Hit.
Was wirklich Erfolg verspricht, zeigt erst ein Blick in die Geschichte. Eine Blaupause für aktuelle Konflikte findet man dort nicht. Denn Geschichte wiederholt sich nicht. Aber sie reimt sich.
Der Historiker Jörn Leonhard gibt in seinem schmalen Buch einen Überblick, was in der Geschichte half, Kriege zu beenden und dauerhaften Frieden zu sichern. Hier einige der aus meiner Sicht wichtigsten Punkte. Leonhard selbst ist mit klaren Empfehlungen zurückhaltender.
- Schon das Aussenden von Friedenssignalen ist komplex. Stets ist abzuwägen, ob das Signal als Schwäche gilt und so ermutigt, den Krieg fortzuführen.
- Die Situation muss „reif“ sein für den Frieden. Im Kalkül beider Seiten muss der Friedensschluss zumindest potenziell attraktiver sein als die Fortführung des Krieges.
- Es braucht eine überzeugende Strategie für den Umgang mit Parteien, die nicht zum Frieden bereit sind.
- Es ist ein gefährlicher Irrglaube, dass Sanktionen und Embargos einen Krieg immer verkürzen. Das Gegenteil kann der Fall sein.
- Auch in Friedensverhandlungen gilt es, sich vor rationalistischen Irrtümern über die Absichten der Gegenseite zu schützen. Chamberlain etwa nahm an, am Ende müsse sich jeder für den Frieden als einzigen Weg zum Glück entscheiden.
- Die symbolische Demütigung des Unterlegenen und die tatsächliche durch einen Diktatfrieden sind eine schwere Bürde.
„Was diese historischen Beispiele dokumentieren, ist die enorme Bedeutung, die in der Kommunikation, in Bildern und Symbolen der Behandlung der Unterlegenen im Augenblick des Sieges zukommt.“
Mit anderen Worten: Framing matters. Nicht nur in Friedensverhandlungen sollten wir neben der individuell-psychologischen auch andere Perspektiven einnehmen. Auch B2B-Verhandlungen (Business-to-Business) werden von mehr Faktoren beeinflusst als von vermeintlichen Typologien der Verhandler.
Dr. Alexander Hoeppel
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